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Tourenplanung/-optimierung
Transportmanagement

Montag, 23. September 2019

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Die 3 Stufen der Automatisierung der Disposition

Alle reden vom autonomen Fahren. Aber wie wird der Einsatz von Lkw zukünftig eigentlich geplant und gesteuert? Welche Automatisierungsschritte sind in der Disposition zu erwarten und wie verändern sie den Arbeitsplatz des Disponenten? Die nähere Betrachtung zeigt: Die Automatisierung der Disposition ist zwar von der Entwicklung zum autonomen Fahren unabhängig, verläuft aber in durchaus vergleichbaren Stufen.

Die Automatisierung im Fahrzeug schreitet seit Jahren unaufhaltsam voran. Auch wenn die Vision des autonomen Fahrens heute noch nicht Alltagswirklichkeit ist, so liegt der Weg dorthin doch einigermaßen klar vor uns. Die Schritte bis zum komplett fahrerlosen Fahren hat der deutsche Autoherstellerverband VDA in seinem Konzept als die „5 Stufen des automatisierten Fahrens“ beschrieben.

Neben dem autonomen Fahren wird aber auch die Automatisierung der Lkw-Disposition drastische Auswirkungen auf das Transportmanagement im Straßengüterverkehr haben. Am Ende dieser Entwicklung werden eine deutliche Effizienzsteigerung im Einsatz der Fahrzeugressourcen und ein nachhaltig veränderter Disponenten-Arbeitsplatz stehen.

Analog zum Stufenkonzept des automatisierten Fahrens kann auch die Entwicklung zur autonomen Disposition als Stufenmodell beschrieben werden. Es können die folgenden 3 Stufen der Automatisierung der Disposition unterschieden werden zzgl. der Stufe 0 als Ausgangssituation:

Analog zum Stufenkonzept des automatisierten Fahrens kann auch die Entwicklung zur autonomen Disposition als Stufenmodell beschrieben werden. Es können die folgenden 3 Stufen der Automatisierung der Disposition unterschieden werden zzgl. der Stufe 0 als Ausgangssituation:

Stufe 0: Disposition ohne Automatisierungsunterstützung

Bei dieser Ausgangsform trifft der Disponent alle Planungsentscheidungen selbst. Ihm werden lediglich einzelne Berechnungsfunktionen, z.B. durch digitale Routenplaner, abgenommen. Eine automatisierte Prüfung der Konsistenz und Umsetzbarkeit der erstellten Pläne erfolgt nicht.

Stufe 1: Assistierte Disposition

Der Disponent trifft wesentliche Dispositionsentscheidungen zwar immer noch selbst, die Konsistenz und Fehlerfreiheit der Pläne wird aber durch das System sichergestellt. Der Disponent wird dabei von zahlreichen Assistenzfunktionen unterstützt, die für eine Digitalisierung und Teilautomatisierung sorgen:

  • Automatische Einplanung von Einzelaufträgen

Das System plant auf Knopfdruck einzelne Transportaufträge bestmöglich in einen bestehenden Plan ein und schlägt für ein Fahrzeug den bestmöglichen Anschlussauftrag vor.

  • Automatische Kennzahlen

Der Disponent erkennt anhand von Auslastungskennzahlen, inwieweit Soll-Vorgaben erreicht sind.

  • Automatische Regelprüfung

Alle Eingriffe des Disponenten werden vom System automatisch und in Echtzeit auf Fehlerfreiheit geprüft (erforderliches Fahrzeugequipment, notwendige Fahrerqualifikation, Frachtraumkapazität, Zusammen- oder Folgeladungsverbote etc.).

  • Automatische Zeitplanung und Plankonsistenz

Bei jeder Planaktion des Disponenten wird der Gesamtplan automatisch so angepasst, dass die Plankonsistenz gewährleistet bleibt. Insbesondere werden alle Starttermine und Zeiten so angepasst, dass Liefertermine eingehalten und Doppelbelegungen von Fahrzeugen, Anhängern oder Fahrern ausgeschlossen werden.

  • Automatische Pausenberechnung

Die für die Einhaltung der Lenk- und Arbeitszeitvorschriften erforderlichen Pausen werden bei allen Planaktionen des Disponenten automatisch vom System hinzugefügt.

Stufe 2: Automatische Tourenplanung

Die Erstellung des initialen Tourenplans erfolgt automatisch durch das System. Der Disponent startet die Planung manuell per Knopfdruck. Über Parameter lassen sich die Präferenzen des Anwenders, z.B. hinsichtlich der Gewichtung von Kilometer-Minimierung und Termineinhaltung, abbilden. Das System sorgt für die Fehlerfreiheit des Plans und die Güte der Planungsergebnisse.

Der Disponent muss selbst bewerten, ob und wann im laufenden Betrieb eine Umplanung oder Neuplanung erforderlich ist.

Stufe 3: Autonome Disposition

Das System entscheidet auf Basis der aus den Fahrzeugen eingehenden Telematikdaten eigenständig, ob und wann eine Umplanung oder Neuplanung sinnvoll ist. Eine Neu- oder Umplanung wird automatisch vom System gestartet.

Der Disponent wird zum Controller, der mit Hilfe des Systems sowohl Planung als auch Tourendurchführung überwacht und nur noch in Ausnahmefällen selbst eingreift. Der Arbeitsschwerpunkt verschiebt sich stärker in Richtung Kundenbetreuung.

Der Stand der Technik

Assistenzfunktionen zur Digitalisierung (Stufe 1) finden sich bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen Standardsoftwaresystemen zur Lkw-Disposition. Ihre Anwendung ist in der Regel für ein relativ breites Spektrum von Transportarten möglich. Es sind allerdings große Unterschiede im Umfang der Assistenzfunktionen festzustellen.

Einzelne Systeme bieten auch schon die Möglichkeit einer automatischen Tourenplanung (Stufe 2). Hierbei werden aber noch nicht alle Transportarten und Planungsrestriktionen unterstützt, so dass unbedingt eine genaue Prüfung der Einsetzbarkeit erfolgen sollte.

Erste praktische Anwendungsfälle der dynamischen automatischen Disposition (Stufe 3) sind aus dem Bereich von Komplettladungs-Depotverkehren bekannt. Insgesamt ist aber davon auszugehen, dass das Thema sowohl auf Anbieter- als auch auf Anwenderseite sehr schnell weiter an Dynamik gewinnen wird.

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