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Transportmanagement

Mittwoch, 23. Oktober 2019

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Was ist eigentlich ein Transport Management System und worin unterscheidet sich Speditionssoftware?

Sucht man als Anwender nach einem geeigneten Transport Management System, kurz TMS, so wird man bei der Internetrecherche schnell von einer großen Menge an Produkttreffern erschlagen. Bei genauerer Betrachtung erkennt man allerdings, dass sich hinter dem Schlagwort TMS Produkte mit zum Teil sehr unterschiedlichen Funktionalitäten und Anwendungsfällen verbergen. Es entsteht bisweilen der Eindruck, dass ein System nur im weitesten Sinne etwas mit Transporten oder Speditionen zu tun haben muss, um als TMS bezeichnet werden zu können. Anlass genug, die Frage zu beleuchten, was im Allgemeinen unter einem Transport Management System zu verstehen ist.

Begriffsdefinition

Zunächst einmal ist festzustellen, dass das Kürzel TMS sowohl als Abkürzung für Transport Management System verwendet wird als auch für Transport Management Software. Dies ist unproblematisch, da beide Begriffe die gleiche Art von Softwaresystem bezeichnen und somit synonym verwendet werden können.

Allgemein beschäftigt sich ein Transport Management System mit der Planung, Ausführung und Optimierung der physischen Bewegung von Gütern.[1] Es ist dabei als logistische Plattform zu betrachten, die den Anwender in die Lage versetzt, den täglichen Einsatz der zur Verfügung stehenden Transportmittel zu planen, zu überwachen und zu optimieren. Diese Aufzählung beschreibt ziemlich genau die zentralen Aufgaben des Disponenten. Damit wird klar, dass der Hauptanwender eines TMS der Disponent ist.

Grundsätzlich kann es sich bei den Transportmitteln um Schiffe, Eisenbahnen, Flugzeuge oder Lkw handeln. Die meisten derzeit am Markt angebotenen Transport Management Systeme legen ihren Schwerpunkt aber auf die Steuerung von Lkw-Flotten.

Üblicherweise wird der TMS-Begriff nur in Verbindung mit externen Transporten verwendet. Der innerbetriebliche Transport wird laut DIN 30781 mit „Fördern“ bezeichnet[2] und softwaretechnisch in der Regel auch nicht über ein TMS, sondern über ein Intralogistiksystem abgebildet.

Funktionen von Transport Management Systemen

Die am Markt unter dem Begriff Transport Management Systeme angebotenen Softwarelösungen umfassen häufig folgende Funktionalitäten:

  • Erfassung und Verwaltung von Transportaufträgen
  • Kostenkalkulation
  • Tourenplanung und Disposition
  • Telematikfunktionen zur Transportsteuerung und Tourenüberwachung
  • Sendungsverfolgung
  • Abrechnung, interne Verrechnung oder Anbindung nachgelagerter ERP-Systeme

Ob tatsächlich alle diese Funktionen oder nur ein Teil von ihnen benötigt wird, hängt stark von den individuellen Anforderungen des anwendenden Unternehmens ab. Dabei sind insbesondere die Blickwinkel von Transporteuren und Verladern klar voneinander zu unterscheiden.

Unterschiedliche Blickwinkel auf das TMS: Transportdienstleister versus Verlader

Historisch gesehen erfolgte die IT-Unterstützung des Transport Management zunächst durch die Speditionssoftware des Transport- und Logistikdienstleisters. Heutige Transport Management Systeme stellen eine Weiterentwicklung der konventionellen Speditionssoftware dar und werden auch seitens der Verlader, also Industrie und Handel, in immer stärkerem Maße verwendet.

Die zum Teil erheblichen funktionalen Unterschiede zwischen TMS-Lösungen sind auch durch die unterschiedlichen Blickwinkel und Anforderungen von Transportunternehmen und Verladern zu erklären. Für den Transporteur stellt die Durchführung von Transporten den Kern der Wertschöpfung seines Unternehmens dar. Um diesen Kern drehen sich für ihn fast alle Prozesse. Hinsichtlich der Unterstützung durch Software hat der Transporteur deshalb die Anforderung, in möglichst einem einzigen monolithischen System alle Unternehmensprozesse abbilden zu können. Zur Befriedigung dieser Anforderung entstanden seit Ende der 1980er Jahre sogenannte „Speditionssoftwaresysteme“. Sie fokussierten zunächst allerdings die vertrieblichen und kaufmännischen Anforderungen der Transportunternehmen. Später wurden in den Systemen oft einfache Funktionen zur Disposition und Tourenplanung sowie zur Durchführungsüberwachung ergänzt. Mit dem Aufkommen des TMS-Begriffs wurden diese Speditionssoftwaresysteme dann auch unter dem Label Transport Management System verkauft.

Die Ansicht, dass „heutige Transport Management Systeme eine Weiterentwicklung der konventionellen Speditionssoftware darstellen“[3], ist vor dem Hintergrund dieser historischen Entwicklung vertretbar. Allerdings wird dabei nicht berücksichtigt, dass die Anforderungen von Verladern an ein Transport Management System deutlich von denen der Transporteure und Speditionen abweichen.

Für das Transportmanagement des Verladers spielen administrative, kaufmännische und vertriebliche Aufgaben wie Kundenverwaltung, Angebotserstellung oder Faktura in der Regel keine Rolle, da diese Funktionen üblicherweise in ERP-Systemen abgebildet werden und sich nicht nur auf die Transportleistung, sondern primär auf die gelieferten Waren beziehen. Im Mittelpunkt der von der verladenden Wirtschaft benötigten Transport Management Systeme stehen vielmehr die Funktionen, die schon in der oben zitierten Begriffsdefinition als Kernelemente genannt wurden: Planung, Optimierung und Überwachung der Transporte. Ergänzt werden die TMS-Kernelemente für den Verlader durch Funktionen zur Auswahl und Datenanbindung des Transporteurs.

Berücksichtigt man die Anforderungen der Verlader in der begrifflichen Abgrenzung zwischen Speditionssoftware und TMS, so trifft wohl am besten die folgende Formulierung zu: Speditionssoftwarelösungen umfassen zum Teil auch TMS-Funktionen, darüber hinaus bieten sie üblicherweise aber auch noch einiges an Zusatzfunktionalität im kaufmännisch-administrativen Bereich, da dort der Anwendungsfokus von Speditionssoftware liegt.

Die folgende Abbildung stellt die TMS-Anforderungen von Transporteuren und Verladern gegenüber und verdeutlicht, dass die Schnittmenge gerade bei den Kernfunktionen Planung (Tourenplanung), Optimierung und Überwachung von Transporten liegen.

Zusatzfunktionen zur digitalen Vernetzung mit Kunden

Im Zuge der Digitalisierung des Transportmanagements bieten immer mehr Transport Management Systeme auch die Möglichkeit, den Kunden bzw. Warenempfänger in den elektronischen Datenfluss einzubeziehen. Dies erfolgt zum Beispiel über Funktionen zur Sendungsverfolgung oder zum automatischen Versand von Avisen, also elektronischen Mitteilungen zum voraussichtlichen Lieferzeitpunkt (auch Estimated Time of Arrival oder kurz ETA) der Ware.

Durch die Integration von Telematiksystemen können darüber hinaus auch Lieferscheine elektronisch an den Fahrer übermittelt und bei Warenauslieferung mit digitalen Kundenunterschriften versehen werden. Der elektronische Lieferschein inkl. Kundenunterschrift kann anschließend digital an das TMS rückübermittelt und dem Kunden papierlos zur Verfügung gestellt werden.

Diese Zusatzfunktionen zur digitalen Vernetzung sind sowohl für Verlader als auch für Transporteure relevant und sollten heutzutage in keinem Transport Management System fehlen.

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Fazit

Kernelemente eines Transport Management Systems sind die Funktionen zur Tourenplanung, Optimierung und Überwachung der Transporte. Hauptanwender ist der Disponent. Die am Markt unter dem Begriff Transport Management System angebotenen Softwarelösungen umfassen zum Teil deutlich mehr Funktionen, insbesondere wenn es sich um Speditionssoftware handelt. Für Speditionen können diese Mehrfunktionen interessant sein, für Verlader in der Regel nicht.

Leider werden teilweise auch Systeme unter dem Schlagwort TMS angeboten, in denen die Kernfunktionen Planung, Optimierung und Überwachung gar nicht oder nur zum geringen Teil vorhanden sind. Für diese Produkte ist die Verwendung des Begriffs Transport Management System als grenzwertig anzusehen.

Quellen:
[1] https://searcherp.techtarget.com/definition/transportation-management-system-TMS; 11.02.2019
[2] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/transport-47563; 11.02.2019
[3] Kraft, Volker; Schonebom, Jens: Transport-Management-Systeme. In: Ten Hompel, Michael (Hrsg.): IT in der Logistik 2013/2014 : Marktübersicht & Funktionsumfang: Enterprise-Resource.Planning, Warehouse-Management, Transport-Management & Supply-Chain-Management-Systeme

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