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Transportmanagement

Donnerstag, 19. Dezember 2019

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Welches Lkw Transport Management System ist für mich das richtige?

Der Begriff Transport Management System (auch kurz: TMS) wird heutzutage sehr weit gefasst. Die verschiedenen, unter dem Schlagwort TMS für den Straßengüterverkehr angebotenen Softwarelösungen, unterscheiden sich zum Teil ganz erheblich in den unterstützten Funktionalitäten. Welches System für den Anwender das passende ist, hängt maßgeblich von der Frage ab, welcher Teil des Transportprozesses und welche Anwendergruppe im Unternehmen unterstützt werden soll. In diesem Artikel wird eine Einteilung in 5 Klassen von TMS-Lösungen vorgestellt, die den Anwendern einen besseren Überblick über die angebotenen Systeme geben soll.

Am Prozess beteiligte User und Abteilungen

Zur Klassifizierung der verschiedenen Transport Management Systeme ist zunächst ein Blick auf die verschiedenen am Transportprozess beteiligten Mitarbeiter hilfreich. Es lassen sich folgende direkt oder indirekt beteiligte Personengruppen und Abteilungen im Unternehmen identifizieren:

  • Lager: Ist für Umschlag, Einlagerung sowie die rechtzeitige und vollständige Bereitstellung der zu transportierenden Waren verantwortlich. Bei reinen Transportunternehmen entfällt diese Funktion, da die Warenbereitstellung durch den Versender erfolgt.
  • Vertrieb & Verwaltung: Erstellen Angebote und Aufträge und führen nach erfolgreich durchgeführtem Transport die Nachbearbeitung, wie z.B. die Abrechnung der Leistung durch.
  • Disponenten: Führen die Tourenplanung sowie die Fahrzeug- oder Dienstleisterzuordnung durch, überwachen die laufenden Transporte und müssen auf unvorhergesehene Planabweichungen vorbereitet sein.
  • Fahrer: Sind für die Durchführung der von den Disponenten geplanten Transporte verantwortlich. Dies beinhaltet neben der reinen Fahrtätigkeit oft auch unterstützende Arbeiten bei der Be- und Entladung, insbesondere die Ladungssicherung.
  • Fuhrparkmanager: Sind dafür zuständig, dass die Fahrzeuge in technisch einwandfreiem Zustand für die Transporte bereitstehen. Außerdem überwachen sie die laufenden Fuhrparkkosten, z.B. für Treibstoffe, Instandhaltung und Reparaturen.

Fünf Klassen von TMS-Lösungen

Anhand der am Transportprozess beteiligten Personengruppen und ihrer Tätigkeiten, können nun fünf grundlegende Klassen von Transport Management Systemen identifiziert werden. Jede legt einen anderen Schwerpunkt auf die Unterstützung der im Prozess anfallenden Aufgaben (siehe auch Abb. 1).

Abb.1: Klassifizierung von Transport Management Systemen

ERP- und Speditionssoftware

Die administrativen Aufgaben in Industrie und Handel werden in der Regel durch ERP-Systeme unterstützt. Sie decken Prozesse wie Angebotserstellung, Auftragswesen und Abrechnung ab, teilweise sogar bis hin zur Buchhaltung. Häufig sind auch Module zur Bestandsführung und Lagerverwaltung enthalten. ERP-Systeme werden in der Regel zwar nicht explizit als Transport Management Systeme bezeichnet, enthalten oft aber auch einfache Basisfunktionen für die Tourenplanung und werden deshalb der Vollständigkeit halber in dieser Klassifikation mit aufgeführt.

ERP-Lösungen, die auf die Anforderungen von Speditionen zugeschnitten sind, werden als Speditionssoftwaresysteme bezeichnet. Sie existieren seit den 1990er Jahren und können als die ersten Transportmanagementsysteme im engeren Sinne angesehen werden. Als zentrales Administrationssystem sollten sie in keiner Spedition fehlen. Die Lösungen unterstützen oft auch die Fuhrparkverwaltung, bieten Schnittstellen zur Zollabwicklung und Gefahrgutanmeldung und enthalten Grundfunktionen zur Tourenplanung und ‑überwachung. Es fehlen allerdings in der Regel Funktionen zur Automatisierung der Tourenplanung und für die nachfolgenden Aufgaben des Transportmanagements, wie Forecasting und Fahrer-Unterstützung.

Tourenplanungssoftware

Tourenplanungssoftware unterstützt Unternehmen bei der Planung und Optimierung von Touren. Die zu verplanenden Transportaufträge werden in aller Regel von Vorsystemen, wie ERP-Systemen oder Speditionssoftware, übernommen. Häufig verwenden Tourenplanungssysteme mathematische Optimierungsalgorithmen, die automatisiert Tourenpläne nach vorgegebenen Kriterien erstellen können. Eine Überwachung und Steuerung der Transportdurchführung erfolgt in reinen Tourenplanungssystemen oft gar nicht oder nur rudimentär. Zum Teil verfügen die Lösungen über keine eigene Benutzeroberfläche, sondern nur aus einem Optimizer, der die generierten Tourenpläne an das vorgelagerte ERP- oder Speditionssoftwaresystem zurückgibt.

Transportleitstandsysteme

Der Begriff des Transportleitstands ist abgeleitet von den aus der Industrie bekannten Produktionsleitständen, mit denen der Produktionsablauf innerhalb eines Maschinenparks geplant und überwacht werden kann. Der Transportleitstand unterstützt ganzheitlich die Aufgaben des Transportdisponenten und grenzt sich damit von Speditionssoftware und Telematiksystemen ab, die den administrativen User bzw. den Fahrer als primären Anwender fokussieren.

Kernfunktionen des Transportleitstands sind die (automatisierte) Tourenplanung und Disposition, die Überwachung und Steuerung der laufenden Transporte sowie die Berechnung der voraussichtlichen Entwicklung in den nächsten Stunden, die als Forecasting bezeichnet wird. Dabei kommt vor allem dem ETA-Forecasting, also der Berechnung der voraussichtlichen Ankunftszeit (Estimated Time of Arrival) eine immer größere Bedeutung zu, da sowohl für den Kunden als auch für die eigene Kommissionierung die Kenntnis der ETA-Zeiten für die Steuerung der weiteren Abläufe besonders wertvoll ist.

Die laufende Einbeziehung der aktuellen Lenkzeitdaten des Fahrers spielt sowohl für die Tourenplanung als auch für das Forecasting eine wichtige Rolle. Transportleitstandsysteme sind deshalb durch eine enge Integration nicht nur mit vorgelagerten ERP- oder Speditionssoftwaresystemen, sondern auch mit nachgelagerten Telematiksystemen gekennzeichnet.

Telematiksysteme

Telematik verknüpft Telekommunikation und Informatik miteinander. Im Kontext des Transportmanagements bedeutet dies die Übertragung von Daten zwischen der Disposition auf der einen und dem Fahrzeug bzw. Fahrer auf der anderen Seite. Telematiksysteme bestehen zumeist aus einer mobilen Anwendung, die durch den Fahrer bedient wird und einer webbasierten Benutzeroberfläche für den Disponenten zur Überwachung und Steuerung der Touren. Telematikanbieter bezeichnen ihre Lösungen immer häufiger auch als Transport Management Systeme und sind deshalb Bestandteil dieser Klassifikation.

Bild: iStock (Bim)

Transport-Plattformen

Transport-Plattformen sind keine Transport Management Systeme im engeren Sinne und stellen deshalb eine Sonderklasse dar. Sie unterstützen die Transportvergabe eines beauftragenden Unternehmens (Versender oder Spedition) an einen Dienstleister, der die Verantwortung für die Durchführung des Transports übernimmt. Das weitere Management des vergebenen Transports obliegt somit dem Dienstleister.
Inzwischen werden Transport-Plattformen zum Teil auch durch Funktionen zur Sendungsverfolgung ergänzt, so dass der Auftraggeber zwar keine vollständige Kontrolle, aber zumindest Transparenz über den Auslieferungsprozess hat.

Zusätzlich zu beachten sind die meist noch als Startups agierenden „Digitalen Speditionen“, die seit einigen Jahren mit ihren Transport-Plattformen auf den Markt drängen. Sie stellen jedoch anders als bislang im Markt üblich keine proprietäre Software mehr zur Verfügung, sondern treten selber als Anbieter speditioneller Leistungen auf. Dabei führen sie auf ihren Online-Plattformen ein Matching zwischen Transport-Anfragen auf der einen und freien Transport-Kapazitäten der teilnehmenden Transportunternehmen auf der anderen Seite durch.

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Fazit

Mit Hilfe der dargestellten Einteilung in fünf Klassen können Anwender eine Vorselektion der für sie relevanten Transport Management Systeme vornehmen. Die zentralen Fragen aus Anwendersicht sind dabei:

  • Welche User will ich vor allem mit dem neuen System unterstützen?
  • Welche Aufgaben sollen durch sehr umfassende Funktionen abgebildet werden und wo reicht Basisfunktionalität aus?
  • Welche Lösung adressiert nur das, was ich benötige, und bei welcher Lösung kaufe ich viel mehr als ich brauche?
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