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Transportmanagement

Montag, 26. Oktober 2020

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Transportlogistik in Zeiten der Corona-Krise

Das Jahr 2020 wird als ein Krisenjahr mit deutlichen Umsatzrückgängen, die auch den europäischen Frachtverkehr treffen, in die Geschichte eingehen. Die langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind noch nicht abzusehen. Bei der Analyse der Situation sollte man allerdings berücksichtigen, dass die Logistik-Prognosen schon vor Corona pessimistisch waren, wie Studien von PwC und BGL darstellen. Und wie jede Krise zeigt auch Corona Chancen und Potenziale auf – insbesondere im Bereich der Digitalisierung.

Bei konjunkturellen Abwärtsbewegungen und steigender Arbeitslosigkeit ließ sich in den vergangenen Jahrzehnten nur selten eine einzelne Ursache feststellen. Das gilt besonders für eine globalisierte Wirtschaft, in der die Zusammenhänge kaum noch zu überblicken sind. Die Corona-Pandemie hat hier allerdings neue Maßstäbe gesetzt, sie ist ohne Zweifel Hauptverursacher der aktuellen weltweiten Wirtschaftskrise.

Das Virus trägt einen erheblichen Teil zum Ausmaß und der Geschwindigkeit der Rezession bei. Die hohe Ansteckungsgefahr und die tückischen Übertragungswege führen in einigen Wirtschaftszweigen wie der Gastronomie, Touristik, Hotellerie oder der Luftfahrt zu drastischen Umsatzeinbußen. Aufgrund der seit Herbstbeginn erneut eintretenden dynamischen Entwicklung der Infektionszahlen muss davon ausgegangen werden, dass sich die Situation in diesen Branchen weiter verschärft.

Rückgang um 8,6 Prozent

Auch die europäische Transport- und Logistikbranche ist von der Coronakrise betroffen. Die Bruttowertschöpfung soll 2020 nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC um 8,6 Prozent zurückgehen. Nur langsam und in einem sogenannten U‑Szenario werde sich die Branche erholen, heißt es im Juli erschienenen „Transport and logistics barometer“, einer von PwC herausgegebenen Analyse. Aus einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company geht zudem hervor, dass gerade in der Transport- und Logistikbranche Corona-bedingt die Angst vor Insolvenzen im Mittelstand steigt.

Bild: iStock (welcomia)

Schon vor Corona rückläufig

Ebenso pessimistisch ist die Konjunkturanalyse des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung BGL. Diese stellt allerdings auch fest, dass die Geschäftslage im Transportlogistikgewerbe schon lange vor der Corona-Krise rückläufig war. Das ergab eine regelmäßig durchgeführte Befragung des Branchenverbands, an der sich 266 Transportunternehmen beteiligten. Demnach war der Umsatz bereits im vierten Quartal 2019 rückläufig.

Der Geschäftslage-Saldo, eine der wichtigsten Messgrößen für die wirtschaftliche Lage der Unternehmen, fiel dem Bericht zufolge auf einen Wert von minus 25 Prozent. Auch die Prognosewerte für das erste Quartal 2020 seien schon vor Corona „deutlich negativ“ gewesen. Für das erste Halbjahr waren schon damals 32 Prozent der Befragten pessimistisch. Und auch in allen anderen Bereichen attestiert der BGL den „schlechtesten Wert seit fast sieben Jahren“.

Konjunktur hat lange geschnurrt

Daran wird deutlich, dass zumindest Europa schon 2019 auch ohne Pandemie einer (Mini-)Krise entgegenschlitterte. Nach rund zehn Jahren der wirtschaftlichen Erholung in Deutschland war dies auch nicht verwunderlich. Angesichts des anhaltenden Booms waren Volkswirtschaftler ohnehin schon über das unentwegte Schnurren des Konjunkturmotors verwundert.

Wer bisher als Transportunternehmer und Logistikdienstleister vergleichsweise stark auf Kunden aus der Automotive-Branche gesetzt hatte, wurde nun durch Corona besonders hart getroffen. Zuvor bereits hatten die Diskussionen um den Klimawandel und reale Fahrverbote in den Innenstädten vielen Autofahrern die Lust auf Diesel- und Benzinkutschen geraubt. Mangels elektrisch angetriebener Alternativen und einer zuverlässigen Lade-Infrastruktur verlieren deutsche Premiumhersteller derzeit viele Kunden an Tesla, der als einziger Automobilhersteller auch in der Krise mit schwarzen Zahlen glänzt.

Für viele wurde erst durch die Corona-Krise die Notwendigkeit der Digitalisierung sichtbar.

Chance in der Krise

Doch auch bei einem ausgewogenen Kunden-Portfolio wird 2020 für Logistiker ein schwieriges Jahr, weil die Nachfrage bis auf wenige Ausnahmen auf breiter Front bröckelt. „Die Frage ist nun, wie schnell und nachhaltig sich die Branche erholen kann. Dabei werden die Digitalisierung und Innovationen eine zentrale Rolle spielen,“ betont Ingo Bauer. Der Leiter des Bereichs Transport und Logistik bei PwC Deutschland erwartet, dass die Krise einige dauerhafte Auswirkungen auf die Branche haben wird.

So wurde für viele erst durch die Corona-Krise die Notwendigkeit der Digitalisierung sichtbar. Allein die Sicherheitsabstände am Arbeitsplatz lassen sich meistens nur mit einer großen Zahl von Homeoffice-Arbeitsplätzen einhalten. Moderne Transportmanagement- und Telematiksysteme bilden hier die Basis, um sogar die Disponenten nach Hause schicken zu können. Durch diese Freiheit steigt nicht zuletzt auch die Attraktivität als Arbeitgeber.

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Fazit

Auch ohne Corona-Pandemie würden heute viele Transporteure unter Umsatzeinbußen leiden, das Ausmaß der Pandemie hat die latenten Probleme jedoch um ein Vielfaches verstärkt. Spätestens jetzt sollte an der konsequenten Digitalisierung gearbeitet werden, um das eigene Unternehmen zukunftssicher zu machen.

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